Mailand im Winter

„The secret of getting ahead is getting started.“ Mark Twain

Und damit startet mein erster Blogeintrag – nach sage und schreibe drei Jahren der mentalen Vorbereitung *woohoo* – und es geht ab nach…. MAILAND… im Winter

Mailand stand schon länger auf meiner To-Go-Liste. Doch da ich kein Fan von Shopping-Marathons bin, habe ich es dann doch immer wieder hinten angestellt. Nun aber gab einer meiner Lieblingskünstler, Ludovico Einaudi, ein Klavierkonzert. Genialer Pianist – check it out (mit fantastischer Bilduntermalung von TSO Photography). Und schwupps war das Ticket im Teatro dal Verme gebucht. Mein erstes Konzert zu dem ich allein gehe.

Mailänder Dom

Klar, dass mein erster Weg zum Piazza del Duomo ging mit dem bedeutendsten Werk der gotischen Baukunst in Italien: dem Mailänder Dom.

Mailänder Dom
Ein kleiner geschichtlicher Hintergrund

Gian Galeazzo Visconti hat 1386 mit dem Bau begonnen, um Mailand zum Zentrum der politischen und religiösen Herrschaft zu machen. Die Visconti waren damals die führende Familie in Mailand. Und so bekamer er 1395 vom König des Hl. Römischen Reichs den Titel des Herzogs von Mailand. Und Mailand stieg zum Herzogtum auf. Der Bau des Doms ging insgesamt über ganze fünf Jahrhunderte. Die letzten knapp 300 Jahre wurde an der aufwändigen Fassade gearbeitet, die – da der Bau ja so lange dauerte – nicht nur gotische, sondern auch barocke Elemente enthält. Es lohnt sich also einen genaueren Blick auf all die kleinen Kunstwerke an der Fassade zu werfen.

Der Aufstieg zu den Domterrassen ist quasi ein Muss. Ihr befindet Euch über den Dächern von Mailand, seht die wunderschönen Verzierungen aus nächster Nähe und habt bei schönem Wetter sogar einen Blick bis zu den italienischen Alpen.

Naja, bei mir war letzteres nicht der Fall, aber der Aufstieg hat sich trotzdem gelohnt.

Ich habe mir den Duomo Pass B gekauft. Das Ticket gilt für den Mailänder Dom inkl. Domterrassen zu Fuß, das Dommuseum, die Kirche von San Gottardo und die Archäologischen Ausgrabungen. Das Dommuseum zeigt die Geschichte der Errichtung des Doms u.a. ein Holzmodell des Doms und ist erstaunlich sehenswert. Das Ticketbüro befindet sich rechterhand des Domes im Palazzo Reale.

In der Hochsaison ist es empfehlenswert, die Tickets bereits am Abend des Vortages zu kaufen, wenn die Schlange nicht so lang ist, denn der Duomo Pass gilt auch noch 72h nach Kauf.

Galleria Vittorio Emanuele II – Mailands Einkaufspromenade

Die Galleria Vittorio Emanuele II ist die berühmte gläserne Einkaufspromenade mit seinen Edel-Boutiquen direkt am Piazza del Duomo. Die Gallerie wurde nach Vittorio Emanuele II benannt, unter dem die Einigung Italiens stattfand. Hier leuchtet sie in schöner Weihnachtsatmosphäre.

Auf der anderen Seite kommt man zum Piazza de la Scala, wo sich die berühmte Oper befindet, die man auch von innen besichtigen kann. Oder vielleicht ergattert Ihr mit etwas Glück auch ein paar Opernkarten.

Die Burg der Sforzas

Ein weiteres Wahrzeichen Mailands ist das Castello Sforzesco, über die via Dante nur ca. 10 Gehminuten vom Mailänder Dom entfernt.

Kleiner geschichtlicher Überblick

Galeazzo II Visconti, ebenfalls aus dem mächtigen Visconti-Clan, erbaute im 14. Jahrhundert diese Verteidigungsburg. Doch bald darauf gab es keine männlichen Visconti-Erben mehr. Und nach dem Tod des letzten Visconti wurde das Castello während der darauffolgenden Ambrosianischen Republik von den Mailändern zerstört. Francesco I. Sforza (daher dann auch der Name Castello Sforzesco) riss die Herrschaft an sich, weil er die einzige Tochter von Filippo Maria Visconti ehelichte. Dieser ließ 1450 das als Castello Sforzesco bekannte Schloss an dieser Stelle neu aufbauen. Auch Leonardo da Vinci und Filarete (nach dem der Turm benannt wurde) durften sich hier verewigen.

Ab 1499 folgten aufreibende Jahre für die Mailänder: die Machtübernahme der Franzosen (weiter unten könnt Ihr lesen, wie es dazu kam), Bürgerkriege, Belagerung, spanische Herrschaft, Habsburger, Napoleon,… Erst 1861 konnte sich das Schloß nach der Vereinigung Italiens in neuer Schönheit zu einem der Wahrzeichen Mailands herausputzen.

Parco Sempione

Direkt hinter dem Schloss befindet sich der Parco Sempione, ein im Sommer bestimmt toller Treffpunkt zum Entspannen und Spazierengehen. Man kann auch einfach nur Leute beobachten oder den Blick zum Triumphbogen Arco della Pace wandern lassen.

Kirchen in Mailand

Die Kirche der Totenköpfe

Die außergewöhnliche Kirche Chiesa di San Bernadino alle Ossa liegt in der Via Verziere 2 im Zentrum von Mailand, etwas versteckt. Die sogenannte Kirche der Totenköpfe wurde gebaut, um die Verstorbenen zu ehren. So wurden hier die menschlichen Überreste vom nahe gelegenen Krankenhaus (jetzt die Universität) in die Wände integriert. Ein echter Hingucker irgendwo zwischen Faszination und Grusel.

Die Basilica Apostolarum und der Hl. Ambrosius

Die Basilica Apostolarum – San Nazaro in Brolo aus dem Jahre 386 wurde mit den Reliquien einiger Apostel geweiht. Interessant ist, dass der Erbauer, der Hl. Ambrosius, als nicht-getaufter Politiker zum Bischof von Mailand gewählt wurde. Er gilt neben Hieronymus, Augustinus von Hippo und Papst Gregor der Große als einer der vier Kirchenlehrer. Wow.. was damals so alles möglich war.. vom Politiker zu einem Geistlichen, der die katholische Kirche maßgeblich geprägt hat. Sein Grab befindet sich in der Basilika Sant’Ambrogio, die er ebenfalls selbst erbauen ließ. Er gilt heute noch als Schutzpatron von Mailand.

Die Kirche San Nazaro in Brolo betritt man über die Trivulzianische Kapelle, die als Mausoleum für den Feldherrn Gian Giacomo Trivulzio entstand. Dieser trat nach seiner Verbannung des Herzogs von Mailand Ludovico Maria Sforza in französische Dienste und eroberte für diese 1499 das Herzogtum. Er selbst wurde daraufhin Statthalter Mailands, Sforza wurde eingekerkert und Mailand war in französischer Hand.

Das Mausoleum selbst ist für meinen Geschmack wenig imposant, aber die Geschichte dahinter macht es dann doch aufregend.

Kunst in Mailand

Leonardo da Vinci’s Abendmahl

In der Kirche Santa Maria delle Grazie befindet sich das weltberühmte Abendmahl von Leonardo da Vinci. Der Zugang ist streng reglementiert u man muss vorab ein Ticket kaufen. Hier gibt es die Tickets für 12€ + 3,50 € Reservierungsgebühr. Um an Tickets zu kommen, muss man allerdings flexibel sein u normalerweise einige Zeit im Voraus buchen.

Pinacoteca di Brera

Wer sich für Kunst interessiert, sollte die Pinacoteca di Brera besichtigen. Sie beherbergt eine der wichtigsten Kunstsammlungen Italiens (u.a. „Cenacolo“ von Pieter Paul Rubens und „Il bacio“ von Francesco Hayez). Auch wenn ich nicht viel Ahnung von Kunst habe, macht mir das Schlendern durch Pinakotheken doch Spaß. Wen das auch interessiert: jeden ersten Sonntag im Monat ist das Museum kostenlos und jeden dritten Donnerstagabend (18h00 – 22h15) im Monat findet ein Livekonzert statt zum Spezialpreis von 3 Euro und der Möglichkeit das Museum ebenfalls zu besuchen. Hier findet Ihr das aktuelle Programm mit weiteren Specials.

„Cenacolo“ von Pieter Paul Rubens:

Anti-Kapitalismus in Mailand?

Die Mittelfinger-Skulptur von Maurizio Cattelan sorgte anfangs für große Furore, da man sie – aufgestellt vor der Börse, in Richtung gemeinem Volk zeigend – oft als antikapitalistisches Statement betrachtet. Der Künstler selbst gibt aber an, dass es eine „Geste der Liebe“ sei. Bei genauerem Betrachten sieht man auch, dass die restlichen Finger nicht eingeklappt sind, sondern schlichtweg nicht im Kunstwerk vorhanden sind.

Mailand am Wasser

Mailand ist, ähnlich wie Venedig, von einigen künstlichen Wasserstraßen durchzogen, den Navigli. Man kann dort entweder gemütlich entlangschlendern oder sich in einem der vielen schnuckeligen Restaurants niederlassen. Auch Leonardo da Vinci war bei der Anlegung der Kanäle beteiligt.

Mailands Friedhof der Reichen und Schönen

Der Cimitero Monumentale ist der Friedhof der Reichen und Schönen Mailands. Hier findet man u.a. das Grabmal der Campari’s, wo on top das Abendmahl in Bronzefiguren nachgebildet wurde. Äußerst pompös! Auch das Grab von Alessandro Manzoni, sowas wie dem Goethe Italiens, befindet sich hier.

Aktuelles

2019 wird der 500. Todestag von Leonardo da Vinci gefeiert und es werden dazu einige Veranstaltungen stattfinden. Wenn Ihr vorhabt, dann nach Mailand zu reisen, lohnt es sich also, da mal nachzuforschen.

Ja, Ihr seht, auch für nicht Shopping Marathon Fans hat die Stadt aufgrund der interessanten Historie einiges zu bieten. Wobei selbst ich im DMAG in der via Bigli 4 war – ein Designer-Outlet. Teilweise haben die Teile leider Fehler, aber trotzdem sind gute Schnäppchen möglich.

Zum Weiterlesen

Was ich in Mailand zu essen empfehlen kann, lest Ihr hier.
Und was mich sonst noch auf meiner Mailand Reise beschäftigt hat in Bezug auf Bettler, Straßenverkäufer und den Umgang mit Geld, gibt es hier.
Auch einen Ausflug an den Lago Maggiore könnt Ihr von Mailand aus gut unternehmen.

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