Tessin, Lago Maggiore

Im Tessin in der Schweiz liegen etwa 20 % des Lago Maggiore. Nachdem es im Mittelalter zwischen den Eidgenossen und den Mailänder Herzögen ständig zu Kämpfen um die Region um den Lago Maggiore kam, gehört es seit dem 16. Jahrhundert dauerhaft zur Schweiz.

Das Tessin gilt als Verbindungsstück der alpinen Landschaften mit dem mediterranen Süden, wie dieses Foto eindrücklich zeigt. Im Vordergrund Palmen am Ufer des Lago Maggiore, und dahinter die schneebedeckten Alpen auf Seiten der Schweiz.

Das Ostufer rund um die Riviera del Gambarogno ist noch wenig touristisch erschlossen und daher eher ruhig.

Locarno

Locarno, am Lago Maggiore gelegen, gilt als die „Sonnenstube der Schweiz“. Durch den Schutz des Hausberges Cimetta und der zum See hin offenen Lage, gibt es weniger Regenwolken. 2300 Sonnenstunden soll es hier jährlich geben und durchschnittlich 15,5 Grad. Außerdem ist Locarno mit 205 m die tiefst gelegene Stadt der Schweiz. D. h. auch hier kann man, wenn man vom deutschen Winter die Nase voll hat, schon einen verfrühten Frühlingsanfang genießen.

Kamelienfestival im März

Ich war Mitte März dort und es hat alles schon wunderschön geblüht. Deswegen findet zu dieser Zeit wohl auch alljährlich das Festival „Camelie Locarno“ statt.

Wunderschön oder? Die Kamelie stammt eigentlich aus Ostasien und gehört zur Familie der Teestrauchgewächse. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann sich die Kamelie auch in Europa auszubereiten und war beim Adel und Großbürgertum sehr geschätzt. In Alexandre Dumas teilweise autobiografischem Roman „Die Kameliendame“ und Verdis Oper „La traviata“, die sich auf diesen Roman bezieht, wird der Wert der Kamelie zur damaligen Zeit gezeigt. Man findet sie heute noch in vielen Schlossgärten.

Piazza Grande

An der Piazza Grande finden seit 1946 jährlich im August die Locarno Filmfestspiele statt. Der beste Spielfilm wird hier mit dem „Goldenen Leoparden“ prämiert.

Kirche Madonna del Sasso

Die Kirche Madonna del Sasso ist das Wahrzeichen Locarnos und die meistfotografierte Kirche im Tessin. Kein Wunder, bei dem Panorama mit Blick auf den Lago Maggiore und die Schweizer Alpen kommt die gelbe Fassade besonders schön zur Geltung. Die Wallfahrtskirche erhebt sich auf einem Felsvorsprung auf dem 350 m hohen Hausberg Cimetta und ist über die Seilbahn Sacro Monte erreichbar.

Hier auf dem Bild sieht man sie links neben dem Kran oben auf dem Felsvorsprung des Cimetta.

Castello Visconteo

Auch in Locarno haben sich die Mailänder Visconti ausgebreitet und 1342 die Burg Castello Visconteo eingenommen. 1439 erhielten die Rusca die Burg als Lehen und 1499 kamen die Franzosen, die diese Ecke besetzt hielten.

Innenhöfe

Locarno selbst ist eine schicke Stadt mit vielen noblen Restaurants und Boutiquen. Auch wenn die Stadt nicht groß ist, gibt es immer wieder versteckte, bezaubernde Innenhöfe.

Kleiner geschichtlicher Hintergrund

Wusstet Ihr übrigens, dass durch den Vertrag von Locarno der Schlussstrich des I. Weltkrieges eingeleitet wurde? Nach dem I. Weltkrieg war Deutschland ja als alleiniger Schuldiger am I. Weltkrieg isoliert und hatte mächtige Reparationsforderungen zu zahlen, Gebiete verloren und die Westzonen im Ruhrgebiet waren weiterhin von den Alliierten besetzt. Die Bevölkerung fühlte sich betrogen und wurde von rechts- sowie linksradikalen Gruppen heimgesucht. Im Jahre 1925 trafen sich die Großmächte u.a. Briand (Frankreich), Stresemann (Deutschland) und Chamberlain (Großbritannien) und legten die Westgrenze Deutschlands laut dem Versailler Vertrag fest, Italien und Belgien garantierten die Einhaltung. Deutschland gab Elsass-Lothringen an Frankreich ab und stimmte der Entmilitarisierung des Rheinlandes zu. Im Gegenzug wurden sie Teil des Völkerbundes und aus der Isolation befreit.

Friedensnobelpreis

Stresemann und Briand bekamen 1926 für ihren Einsatz in der Erhaltung des Friedens in Europa sogar den Friedensnobelpreis. Der Friedensnobelpreis geht – wie auch die anderen Nobelpreise – auf die laut Testament des Schweden Alfred Nobel verfügte Stiftung zurück. Er solle an denjenigen gehen, „der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt“ und damit „im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht“ hat. Der Preis findet jährlich am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Oslo statt. Erstmalig fand die Verleihung im Jahre 1901 statt.

Irgendwie komisch, dass es zu dieser Zeit, wo ja die zwei großen Weltkriege stattfinden, schon einen Friedenspreis gab, wo doch die Weltkriege erst noch bevorstanden. Aber Kriege hat es ja schon immer gegeben und daher wohl auch den Wunsch nach Frieden.

Leider hielt der Plan einer friedensbildenden Republik nicht lange an und die nationalsozialistische Rechte gewann in der Bevölkerung immer mehr an Bedeutung. Und den Rest kennt man ja…

Ascona

Zwei Straßenbrücken verbinden Locarno mit Ascona, denn die beiden Städte liegen nur 4 km auseinander. Die Altstadt Borgo ist autofrei und ideal um in einer der zahlreichen Boutiquen zu shoppen. Abgeschirmt vom Gebirgszug des Centovalli ist auch hier das Klima bereits mediterran.

Auch hier gibt es eine Uferpromenade, die Piazza Motta, die platanengesäumt mit einem wunderbaren Blick in eines der zahlreichen Restaurants einlädt. Hier in der Osteria Nostrana.. Man sieht die Flaggen der Schweiz, die hier an der Uferpromenade des Lago Maggiore wehen.

Gegenüber des Rathauses befindet sich das Casa Serodine. 1620 von der Künstlerfamilie Serodine als Residenz erbaut, gilt er als der prächtigste Profanbau der Stadt.

Brissagio Inseln im Lago Maggiore

1885 waren die Brissagio Inseln in Besitz der Baronin Antoinette de Saint Léger und ihres Mannes. Erst hat sie dort Bälle für die Schönen und Reichen gegeben, exotische Pflanzen gesammelt etc. kurz, das Leben einer wahren Adeligen geführt. Doch 1927 geriet sie allerdings in Geldnot und die Inseln wurden vom Kaufmann Max Emden (u. a. gehörte ihm das KaDeWe in Berlin) gekauft. Heute sind sie in Besitz des Kantons Tessin und ein Vorzeigeobjekt des Tessiner Tourismus. Von Ascona aus kann man sie sehen und die größere der beiden Inseln, die Isola Grande mit dem botanischen Garten der Baronin, auch besichtigen. Die Isola Sant’Apollinare wird ausschließlich für Forschungszwecke genutzt und ist nicht für Besucher geöffnet.

Monte Verità

Der Monte Verità, der „Wahrheitsberg“ galt vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts als Pilgerziel für Künstler, Alternative und Wahrheitssuchende. Im Jahre 1900 gründeten dort Aussteiger um Gusto Gräser ihre „vegetabile Cooperative“, um dem Kapitalismus und Vorgaben der Gesellschaft zu entfliehen. Später errichteten sie auch ein Sanatorium. V. a. durch die Dichter und Denker (u. a. Hermann Hesse, Gerhart Hauptmann oder Max Weber) aus dem gehobenen Bürgertum erhielt die Gemeinschaft ihren guten Ruf. Doch nach dem I. Weltkrieg blieben die Gäste aus und durch die fehlenden Besucher bzw. Einnahmen war es für die Bewohner immer schwieriger so zu leben. Seit 2006 befindet sich nun dort ein Teepark, Zen-Garten und ein Tee-Haus. Mit seinen 321 m ist er eigentlich nur ein Hügel, vor allem für Schweizer Verhältnisse.

Vom Lago Maggiore lässt sich übrigens auch gut ein Tagesausflug nach Mailand einplanen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.